© 2011 Pension in Dresden Pieschen Grit Trompler
Zu unserem Stadteil Dresden Pieschen
Der Dresdner Stadtteil Pieschen befindet sich rechtselbisch im Nordwesten
der Stadt, im gleichnamigen Ortsamtsbereich Pieschen. Die Gemarkung
Pieschen wurde auf die statistischen Stadtteile Pieschen-Süd und Pieschen-
Nord/Trachenberge aufgeteilt.
Die erste urkundliche Erwähnung des sorbischen Dorfes Peschen
(Sandgegend) geht auf das Jahr 1292 zurück. Überreste des als Gassendorf
angelegten Ortes sind heute nur noch auf der Robert-Matzke-Straße und in
Altpieschen zu sehen.
Das ursprüngliche Fischerdorf erlebte mit der ersten deutschen Fernbahnlinie (1839) und dem 1859
fertiggestellten Hafen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Ab 1860 entwickelte sich Pieschen zu einem
Arbeiterwohnviertel. Es entstanden Straßenzüge in geschlossener Bauweise mit dreistöckigen Häusern und
Hinterhöfen.
Seit 1890 ist nicht mehr Altpieschen, sondern die Bürgerstraße samt ihren
Seitenstraßen Zentrum des Stadtteils. Entlang der Bürgerstraße und der
Oschatzer Straße finden sich einige Geschäfte des täglichen Bedarfs. 1897
wurde Pieschen als eines der ersten Dörfer nach Dresden eingemeindet.
Nach der Sanierung vieler Gebäude mauserte sich Pieschen in den letzten
Jahren zu einem vor allem bei jungen Leuten beliebten
Wohnviertel. Es entstanden auch neue Einkaufsmöglichkeiten wie das
Elbcenter und die Mälzerei.
Geschichtliches
Das Fischerdorf Pieschen wurde 1292 erstmals als Besitz von Ritter
Johann von Peschen erwähnt. Die Bewohner Pieschens lebten zu dieser
Zeit bis in das 19. Jahrhundert vor allem von Fischfang, Landwirtschaft,
Obst- und Weinbau sowie Imkerei. Aufgrund schlechter Bodenverhältnisse
gab es jedoch nur mäßige Ernten, wodurch die Bewohner nicht gerade mit
Reichtum gesegnet waren. Die ländliche beschauliche Lage an der Elbe
machte das Dorf im 19. Jahrhundert zum beliebten Ausflugsziel der
Dresdner Bevölkerung.
Mit den ersten deutschen Ferneisenbahnlinien entstanden in der Zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Industriegebiete. So auch in Pieschen. Hier siedelten sich unter anderem die Nähmaschinenteile AG sowie
die Eschebach-Werke an.
Durch die mit ihnen gekommen Angestellten und Arbeiter entwickelte sich der
Stadtteil zum Arbeiterwohngebiet. Pieschen wurde zu einem Zentrum der
Arbeiterbewegung. Im Jahr 1882 wurde auf der Konkordienstraße der erste
Sächsische Konsumverein gegründet. 1889 wurde hier Max Radestock
Geschäftsführer, der 1903 im Nebenamt der erste Vorstandsvorsitzende des neu
gegründeten Zentralverband deutscher Konsumvereine wurde und somit zehn
Jahre an der Spitze der deutschen sozialistischen Konsum-
genossenschaftsbewegung stand. Der enorme Anstieg der Einwohnerzahl brachte
auch einen großen Wohnungsmangel mit sich. Nach dem Beschluss eines
Bebauungsplans wurden zahlreiche mehrstöckige Mietshäuser gebaut, die nun
von zum Teil sozialschwachen Bürgern bewohnt wurden. Nach der
Eingemeindung 1897 nach Dresden errichtete man weitere Wohnviertel. Ebenfalls
wurde der Aufbau von Gaststätten, Sozial- und Kultureinrichtungen für die
Arbeiter vorangetrieben.
Im Jahr 1912 wurde durch Stadtbaurat Hans Erlwein in Altpieschen ein für damalige Verhältnisse
modernes Asyl für obdachlose Männer errichtet, welches später in ein Familienasyl umgewandelt wurde.
Das durch Stadtbaurat Paul Wolf entworfene und 1927/28 als Kultur- und Sozialeinrichtung errichtete
Sachsenbad war ein modernes Hallenbad mit fußbodenbeheizten Sälen, Restaurants und einem 25-Meter-
Schwimmbahnbecken. Es ist ein bedeutendes Beispiel des Funktionalismus und der Neuen Sachlichkeit.
Hier wurden neben Fitness, Kraftsport, Gymnastik und Ballsport auch kulturelle Veranstaltungen wie
verschiedene Kurse, Lesungen und Ausstellungen angeboten. Bis in die 1990er-Jahre hinein war es in
Betrieb, steht aber nun schon seit Jahren leer. Die Zukunft des einstigen Bades ist ungewiss.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Pieschener Hafen angelegt,
welcher aber mit Errichtung des Alberthafens nach und nach an Bedeutung
verlor. Ganz in der Nähe gab es auch eine Anlegestelle für Dampfer und
ein Elbebad.
Die seit 1882 existierende Pferdebahnlinie nach Dresden, wurde 1899 durch
die elektrische Straßenbahn ersetzt. Heute verbinden vor allem die Linie 4
(Laubegast-Weinböhla), die Linie 13 (Kaditz/Mickten-Prohlis) und die
Linie 9 (Kaditz-Prohlis) der Dresdner Verkehrsbetriebe Pieschen mit dem
Dresdner Stadtzentrum.
Nach der politischen Wende wurde Pieschen 1991 zweitgrößtes Sanierungsgebiet der Stadt. Viele
Mietshäuser konnten so vor dem Verfall gerettet werden und geben dem Stadtteil heute seinen eigenen
Charme. Ehemalige Industriegebiete wurden funktionell umgestaltet (Stadtumbau). Ein Beispiel sind die
ehemaligen Eschebach-Werke in der Riesaer Straße, in welchen bis Oktober 2007 das Sozialrathaus
untergebracht war.
Neben dem Elbhangfest und dem Stadtteilfest Bunte Republik Neustadt gehört das Pieschner Hafenfest“ zu
den größeren Stadtteilfesten Dresdens. Im Jahr 1923 wurde das Hafenfest erstmals gefeiert. Da das Fest
durch die sozialistischen Arbeitervereine ausgerichtet wurde, durfte es nach 1933 aus politischen Gründen
nicht mehr stattfinden. In den 1950er-Jahren lebte es nach alter Tradition wieder auf, wobei sich die Vier
Brummers um Wolfgang Roeder große Verdienste erwarben. Seit 1997 findet es wieder jedes Jahr Anfang
Juni statt.
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